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Eingabehilfen in Linux-Betriebssystemen

Linux ist ein freies Mehrbenutzer-Betriebssystem, das für unterschiedliche Computerplattformen zur Verfügung steht. Linux ist Multitasking-fähig, d.h. es können mehrere Anwendungen gleichzeitig ausgeführt werden. Linux ist modular aufgebaut, so dass es an spezielle Anforderungen angepasst werden kann. In der Praxis werden Module zu fertigen Paketen zusammengefasst und als so genannte Distributionen angeboten. Einige Distributionen vereinfachen die Installation und Konfiguration so weit, dass auch Laien sie durchführen können. Viele Linux-Distributionen sind kostenlos erhältlich.

Der eigentliche Betriebsystem-Kern bietet eine rein Text-orientierte Benutzerumgebung. Zahlreiche Anwendungsprogramme werden nach wie vor hierfür entwickelt. Für Eingaben ist lediglich ein zeilenorientierter Texteditor notwendig. Da es keine grafischen Elemente auf dem Bildschirm gibt, können alle Informationen, die auf dem Bildschirm erscheinen, von einem Screen Reader gelesen und von einem Sprachsynthesizer akustisch ausgegeben werden.

Um den Bedienkomfort zu erhöhen, werden aber auch grafische Benutzeroberflächen für den Linux-Kern entwickelt. Die Benutzeroberfläche gestattet eine bequeme Einstellung der System-Parameter. Dies gilt auch für den Bereich Zugänglichkeit. Leider sind die genauen Bezeichnungen von Distribution zu Distribution verschieden und oft in englischer Sprache. So findet man die Einstellungen bei der Novell-Distribution unter Control Center, Accessibility, bei ubuntu findet man sie dagegen unter System Settings, Regional & Accessibility. Die Einstellmöglichkeiten sind aber die gleichen.

Das Bild zeigt das Einstellfenster für die Eingabehilfen unter ubuntu

Für Menschen mit eingeschränkten Hörfunktion
  • Audible Bell: Systemnachrichten können akustisch oder visuell an den Benutzer übermittelt werden. Die Grundeinstellung sieht ein akustisches Signal unter Verwendung des System-Klangs vor. Es können aber auch Benutzer-spezifische Klänge ausgewählt werden.
  • Visible Bell: Sollen die Systemmeldungen visuell übermittelt wedren, besteht die Möglichkeit diese Option zu wählen. In der Grundeinstellung wird der Bildschirm invertiert, wenn eine Meldung vorliegt. Die Zeitdauer, die dies geschieht ist einstellbar. Eine weiter Option lässt den Bildschirm wahlweise blinken.
Für Menschen mit motorischen Einschränkungen
  • Sticky Keys - Einrastfunktion: Zum Schreiben einiger Zeichen oder das Auslösen bestimmter Funktion müssen zwei oder mehrere Tasten gleichzeitig gedrückt werden, etwa bei der Großschreibung von Buchstaben oder dem Schreiben von Sonderzeichen. Die Funktion "Sticky Keys" ermöglicht es, diese Tastenkombinationen auch hintereinander statt gleichzeitig auszuführen.
  • Slow Keys - Anschlagverzögerung: Verhindert das mehrfache Auslösen einer Taste durch zu lange Betätigung.
  • Bounce Keys - Anschlaggeschwindigkeit (auch Entprellzeit oder Anschlagdauer): Verhindert das mehrfache Auslösen einer Taste durch Mehrfachbetätigung. Eine Tastenbetätigung wird erst dann als neuer Tastendruck akzeptiert, wenn die Taste erst nach Ablauf einer einstellbaren Zeit erneut betätigt wird.

Im Zusammenhang mit Zugänglichkeit sind insbesondere zwei Projekte zu nennen, die eine ganze Reihe weiterer assistiver Funktionen beinhalten bzw. unterstützen:

Diese Projekte integrieren zahlreiche Funktionen rund um Zugänglichkeit und Gebrauchstauglichkeit für Nutzer mit Behinderungen. Die im Folgenden aufgeführten Funktionen sind z. Zt. verfügbar. Da an den vorgestellten Projekten permanent weiterentwickelt wird, nimmt auch deren Funktionsumfang ständig zu, so dass die hier vorgestellten assistiven Funktionen nur als Beispiele zu betrachten sind, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Assistive Funktionen für den KDE Desktop

Die Maus-Emulation KMouseTool

Einstellfenster des KDE Maus Emulators

KMouseTool ersetzt die Tasten einer konventionellen Maus. Nutzer eines PCs, die nicht in der Lage sind, die Tasten einer herkömmlichen Maus zu betätigen, brauchen nur den Maus-Cursor über das Element positionieren, das sie anwählen wollen und dort verweilen. Der Mausklick wird dann automatisch nach Ablauf einer einstellbaren Verweilzeit ausgelöst. In der Abbildung ist eine Verweilzeit (englisch Dwell time) von 5/10 Sekunden - also einer halben Sekunde - eingestellt. Eine Drag & Drop - Funktion wird ebenfalls emuliert.

Die Bildschirmlupe KMagnifier

Die KDE Bildschirmlupe

Die Bildschirmlupe vergrößert einen Teil des Bildschirms und ermöglicht so Menschen mit einer Sehbehinderung, den Bildschirminhalt zu erkennen.

Die Sprachausgabe KMouth

Das Texteingabefenster von KMouth

KMouth ist ein Programm, dass es Menschen, die nicht sprechen können, erlaubt, Text, den sie in ein Textfeld eingegeben haben, von ihren Computer sprechen zu lassen (z.B. stumme Leute oder Leute, die ihre Stimme verloren haben).

Zur Zeit bietet KMouth ein Eingabefeld, in das der Anwender die Sätze eingeben kann, die er hören möchte. Zusätzlich besitzt das Programm eine Liste mit dem Gesprächsverlauf, ein Textpassagenbuch und eine Wortergänzung. Der Anwender kann Sätze aus dem Gesprächsverlauf auswählen, die er noch einmal hören will oder er kann oft verwendete Sätze in das Textpassagenbuch aufnehmen so dass sie mit nur wenigen Mausklicks gesprochen werden können.

Zur Unterstützung kann der Nutzer verschiedene kontextabhängige Phrasensammlungen auswählen.

Die Sprachausgabe KTTS

Im Gegnsatz zu dem Programm KMouth, das eine Kommunikationshilfe darstellt, handelt es sich bei KTTS um ein Teilsystem in KDE zur Sprachausgabe für blinde oder sehbehinderte Menschen. KTTS besteht zur Zeit aus mehreren Programmen, die eine gemeinsame Anwendungsschnittstelle für Programmierer bereitstellen.

Assistive Funktionen für den GNOME Desktop

GNOME bietet Benutzern mit Bewegungseinschränkungen besondere Tastatureinstellungen, damit der GNOME-Desktop bedient werden kann. Die verfügbaren Einstellungen betreffen

  • die Dauer eines Tastendrucks, die notwendig ist, bis eine Eingabe akzeptiert wird,
  • die Tastenwiederholrate in Bezug auf Verzögerung und Geschwindigkeit,
  • den Ersatz der Maus durch die Tastatur,
  • die Möglichkeit, Tastenkombinationen auch sequentiell einzugeben (Sticky Keys)

Daneben besteht die Möglichkeit sogenannte Hilfstechnologien zu aktivieren. Dies betrifft

  • Bildschirmleser (Screen Reader) - ein Programm, das den Bildschirminhalt vorliest,
  • Bildschirmlupe - ein Programm, das Ausschnitte des Bildschirminhalts vergrößert,
  • Bildschirmtastatur, eine virtuelle Tastatur für Menschen, die die Standarttastatur nicht bedienen können.

Einstellfenster der Hilfstechnologien

Darüber hinaus gibt es weitere Module für den GNOME Desktop, die es Menschen mit Behinderungen erleichtern oder ermöglichen sollen, den PC zu bedienen. Eine Auswahl wird im Folgenden beschrieben.

Die Maus-Emulation MouseClick

Die Maus-Emulation bietet vier Funktionen:

  • Rechts-Click
  • Links-Click
  • Doppel-Click
  • Drag & Drop

MouseClick ersetzt die Tasten einer konventionellen Maus. Nutzer eines PCs, die nicht in der Lage sind, die Tasten einer herkömmlichen Maus zu betätigen, können Elemente auswählen, indem sie den Maus-Cursor über das entsprechende Element positionieren und dort verweilen. Der Mausklick wird dann automatisch nach Ablauf einer einstellbaren Verweilzeit ausgelöst.

Bildschirmleser und -lupe Gnopernicus

Gnopernicus (in englischer Sprache) bietet einen Bildschirmleser (Screen Reader) und eine Bildschirmlupe für GNOME und GNOME-kompatible Applikationen und richtet sich damit an Menschen mit Sehbehinderungen und blinde Menschen. Das Programm unterstützt Sprach- und Braille-Ausgabe.

Der Bildschirmleser ORCA

ORCA ist ein Bildschirmleser (Screen Reader), der seit GNOME 2.16 als Standardscreenreader verwendet wird. ORCA ist über Skripte anpassbar und unterstützt die Ausgabe via Sprachausgabe und Braillezeile und vergrößerter Darstellung. Für die Einbindung der Braillezeile wird auf den Bildschirmleser (Screen Reader) BrlTTY zurückgegriffen, der auch auf der Konsole funktioniert.

Der Bildschirmleser LSR

Der Linux Screen Reader, kurz LSR, ist in erster Linie ein Bildschirmleser. Das Programm eignet sich aber nicht nur für die akustische Ausgabe von Bildschirminhalten, sondern kann auch über geeignete Scripte - sogenannte Perks - mit anderen Programmen so kombiniert werden, dass neuen Funktionalitäten entstehen:

  • LSR und Tomboy, gedit oder OpenOffice Writer lassen sich zu einem Terminplaner mit Erinnerungsfunkion kombinieren
  • LSR und Applikationen, die Wortmarkierungen zulassen, können mit einem Lexikon zu einer Lernhilfe für Menschen mit Lernschwächen kombiniert werden.
Die Bildschirmtastatur GOK

Das Standard-Layout der virtuellen Tastatur GOK

GOK steht für Gnome Onscreen Keyboard und ist eine virtuelle Tastatur, die auf dem Bildschirm dargestellt wird und die Eingabe von Zeichen mit alternativen Eingabegeräten, wie Schalter, Kopfmaus, Joystick, u.s.w., ermöglicht.

Neben mehreren alphanumerischen Tastaturen stehen eine Reihe von speziellen Layouts zur Verfügung, die z. B. den Zugriff auf Desktop-Elemente erleichtern. Individuelle Layouts kann der Benutzer auch selber realisieren, indem er Tastenanordnung und Aussehen selber festlegt.

GOK bietet eine Vielzahl von Zugriffsmöglichkeiten auf die virtuelle Tastatur an. Die wichtigsten sind:

  • der direkte Zugriff auf die Tasten mittel Zeigegerät,
  • automatisches Scanning,
  • Auswahl durch Verweilen,

Die Eingaben werden durch eine Wortvorhersage-Funktion unterstützt.

Das alternative Eingabekonzept Dasher

Das alternative Eingabekonzept Dasher

Das Programm Dasher ermöglicht Texteingaben mit einem Zeigegerät anstatt mit einer Tastatur. Der Nutzer wählt Buchstaben aus, indem er mit einem Zeigegerät farbige Flächen, die einzelne Buchstaben repräsentieren, an einem Fadenkreuz in der Bildschirmmitte vorbei steuert. Die Reihenfolge und Position der Buchstaben werden durch ein wahrscheinlichkeitsbasiertes Vorhersagemodell bestimmt. Das Programm ist auch für Windows verfügbar.

Letzte Aktualisierung am 12.11.07