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Inhalt

Das barrierefreie Museum

Föhl, Patrick S., Erdrich, Stefanie, John, Hartmut, Maaß, Karin (Hg.)
Das barrierefreie Museum
Theorie und Praxis einer besseren Zugänglichkeit Ein Handbuch
Transcript, Bielefeld 2007
518 Seiten, 46,80 €
ISBN 978-3-89942-576-5

Das Handbuch "Das barrierefreie Museum" beginnt mit der Herleitung des Bedürfnisses nach Barrierefreiheit aus den in jüngster Zeit verabschiedeten Gleichstellungsgesetzen des Bundes und der Länder. Es verweist auf wachsende Zahl von anerkannt schwer behinderten Personen.

Zielgruppe des Handbuches sind verantwortliche und praktisch tätige Mitarbeiter in Museen und Vertreter der Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung. Das Handbuch enthält nach Angaben der Herausgeber ein Mix aus Artikeln mit theoretischen Grundlegungen, leitfadenähnlichen Beiträgen und Fallbeispiele des In- und Auslands.

Im ersten und dritten Kapitel wird die Barrierefreiheit aus der Sicht der Betreiber und im zweiten Kapitel aus der Sicht der betroffenen Menschen dargestellt. Das vierte und fünfte Kapitel bezieht sich auf zwanzig Fallbeispiele der Erschließung von Museen für Menschen mit Behinderungen.

Im ersten Kapitel weist Karin Maaß auf die mangelnden Veröffentlichungen zur Barrierefreiheit im Museum hin. Die Autoren rechnen sich an, das erste systematische Werk über dieses Thema veröffentlicht zu haben. Zuvor hat es zwar in steigender Zahl Einzelveröffentlichungen, Beispiele, Tagungen und zwei große Ausstellungen zum Thema gegeben, eine zusammenfassende Darstellung fehlte aber. Rüdiger Leidner versucht den schwierigen Begriff einer Barriere zu definieren, relativiert aber dabei die Begrifflichkeit so sehr, dass sich der Begriff der Barrierefreiheit in dem Artikel kaum präzisiert. Genau an dieser Stelle hätte ein theoretischer Artikel über die Grundlagen des Auf- und Abbaus von Barrieren gehört. Die dürftige reflektive Durchdringung zieht sich in den folgenden Artikeln zumeist durch. Der Artikel von Katrin Auer ist der Versuch einer rechtlichen Klärung der Grundlagen der Behindertengleichstellungsgesetze des Bundes und der Länder. Der dritte Artikel im ersten Kapitel versucht in zwölf Handlungsschritten, dem engagierten Mitarbeiter Handlungsschritte an die Hand zu geben, um Barrierefreiheit in einem Museum herzustellen.

Im ersten Kapitel werden die Schwäche des Buches, die fehlende Entwicklung einer theoretischen Grundlage und eine Fülle von inhaltlichen Widerholungen, durch die unterschiedlichen Artikelschreiber deutlich. Die Grenzen der Darstellung reduzieren den Anreiz, das Buch kontinuierlich weiter zu lesen.

Im zweiten Kapitel wird die Rezeption von Museen von Menschen mit Behinderungen beschrieben. Martina Bergmann, selbst gehörlos und als Museumspädagogin tätig, beschreibt in einem ausführlichen Artikel die Situation der gehörlosen und hörbehinderten Museumsbesucher. Der Artikel enthält einige recht brauchbare Hinweise und erweckt Verständnis. Leider ist er relativ unsystematisch aufgebaut, so dass der fremde Leser Verständnisprobleme haben kann. Der Artikel von Karin Edtmüller und Wilfried Laufenberg ist deutlich systematischer und fokussiert gleich auf die Teilhabe sehbehinderter Menschen im Museum. Am Schluss des Artikels versuchen die Autoren noch einige praktische Hinweise zu geben, gleiten aber an einigen Stellen ins Selbstverständliche ab. Der Artikel hat eine sehr pragmatische Angehensweise. Der Artikel von Beat Ramsey selbst Rollstuhlfahrer ist nur sehr schwer zu lesen, da er überwiegend aus Auflistungen besteht. Diese Art von Artikel nachzuvollziehen ist ermüdend, so dass der Artikel nur zum Nachschlagen benutzt werden kann. Dieses scheint vom Autor auch so gedacht zu sein. Gegen die Schwächen der vorherigen Artikel sticht dann aber der von Barbara Wichelhaus über die Situation von Jugendlichen im Museum hervor, die allgemein als lernbehindert oder erziehungsschwierig gelten. Sie bewältigt ihren Auftrag souverän, basiert ihre Überlegungen auf den neuesten Verständnismerkmalen von Behinderungen und entwickelt ein schlüssiges Modell, wie für diesen Personenkreis ein Museum erschlossen werden kann. Es lohnt sich, diesen Artikel der engagierten Frau zu lesen. Der Artikel von Patrick S. Föhl fällt dann wieder ab, da er allein aus sechzig Aufzählungen, dem Verzicht auf Satzbildung besteht und praktisch nicht mehr lesbar ist. Da er sich im Wesentlichen auf die Personengruppe bezieht, die auch Barbara Wichelhaus beschreibt, kann der Artikel beim Lesen übersprungen werden.

Die folgenden Artikel beziehen sich auf museumsorganisatorische Fragestellungen. Der erste Aufsatz von Patrick S. Föhl beschreibt die interne Organisation eines Museums und weist auf, wie das Thema Barrierefreiheit in einem Museum implementiert wird. Stefanie Erdrich und Christine Beckmann wenden sich der Finanzierung von Maßnahmen zur Barrierefreiheit zu, während Patrick S. Föhl sich zu Barrierefreiheit und Marketing äußert. Alle vier Artikel sind entweder einfache Beschreibungen aktueller Finanzierungsumstände oder versuchen Kommunikationsmodelle auf das Museum zu übertragen. Mit den beiden Artikeln zum barrierefreien Webauftritt von Jan Eric Hellbusch kommen einige wichtige und gut systematisierte Hinweise. Das Thema hätte nicht durch zwei Artikel vom gleichen Autor vertreten werden brauchen. Die Artikel von Patrick S. Föhl über Netzwerkbildung und Heiner Mockenhaupt zu den baufachlichen Grundlagen schließen sich noch an.

Danach informiert das Handbuch über zwanzig Beispiele, die allerdings im Wesentlichen narrative Darstellungen von Bemühungen um die Erschließung von Museen für Menschen mit Behinderung sind. Je nach Autor lesen sich die Texte informativ, gleiten aber nicht selten zu Selbstdarstellungen mit geringem Informationswert ab. Eine gesonderte Besprechung der Beispiele soll an dieser Stelle unterbleiben.

Das Handbuch "Das barrierefreie Museum" ist der Versuch, erstmalig eine Gesamtdarstellung der Überlegungen zum barrierefreien Museum abzugeben. Es ist von den Autoren mutig einen solchen Weg zu gehen, wenn das Material noch unerschlossen ist und sich unsystematisch darbietet. Wenn auch der Titel ausweist, dass hier eine Theorie der Barrierefreiheit entwickelt wird, so erfüllt diese Erwartung das Handbuch nicht. Schwerwiegenster Mangel des Handbuches sind redaktionelle Defizite durch Wiederholungen gleicher Gedanken bei verschiedenen Autoren, unnötige Längen im Text, fehlende zusammenhängende Darstellung und vieles mehr. Aufgrund der Schwächen ist das Buch nur als aktuelles Nachschlagewerk benutzbar. Die Redaktion hätte das voluminöse Textkonvolut deutlich verdichten sollen, um Lesbarkeit und Informationskraft zu erhöhen.

Letzte Aktualisierung am 19.07.10