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Inhalt

Was ist barrierefreie Informationstechnik?

Barrierefreie Informationstechnik

Barrierefreie Informationstechnik verfolgt das Ziel, digital zur Verfügung stehende Anwendungen und Informationsangebote für alle Menschen nutzbar zu machen. Ein Zugang zur Informationstechnik für Menschen mit Behinderungen kann durch die Informationstechnik selbst erfolgen, zum Beispiel durch integrierte Programme im Betriebssystem. Manche funktionale Einschränkung erfordert jedoch den Einsatz von individuell angepassten Hilfsmitteln, zum Beispiel eine andere Art der Mauszeigerbedienung oder ein Bildschirmvorleseprogramm.
Barrierefreie informationstechnische Lösungen müssen daher immer auch Schnittstellen für individuell angepasste, assistive Technologie für die Ein- oder Ausgabe zur Verfügung stellen.

Im Zuge des Benachteiligungsverbotes im öffentlichen Recht des Bundes und der Länder (Behinderten­gleichstellungsgesetze) und den hiervon abgeleitet entwickelten Rechtsverordnungen zur barrierefreien Informationstechnik (BITV) wird der Begriff der "Barrierefreien Informationstechnik" vielfach mit Zugänglichkeit von Internetseiten für Menschen mit Behinderungen gleichgesetzt.

"Barrierefreie Informationstechnik" bedeutet in diesem Fall, dass die Informationstechnik selbst (d.h. durch die Internetseiten) möglichst keine Barrieren aufbaut und dass zum Beispiel die Bedienung ausschließlich über die Tastatur oder eine Vergrößerung der Seiten nicht durch die Programmierung der Seiten selbst verhindert wird. Vielmehr sollen mehrere Anforderungen erfüllt werden, welche durch den Browser selbst oder in Zusammenarbeit mit speziellen Ein- oder Ausgabegeräten die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen verbessern. Die beiden genannten Beispiele stellen nur einen kleinen Ausschnitt dieser Anforderungen dar. Die Anforderungen zur BITV sind an die international anerkannten Empfehlungen und Richtlinien des "World Wide Web Consortium" (W3C) angelehnt und im Anhang der BITV aufgeführt.
Die mittlerweile ältere Rechtsverordnung berücksichtigt insbesondere die Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte 1.0 (Web Content Accessibility Guidlines - WCAG) des W3C. Nordrhein-Westfalen hat sich bemüht den bereits 2004 diskutierten Entwurf der Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte 2.0 (WCAG2.0) für die BITV-NRW mit zu berücksichtigen. Die in den WCAG 2.0 diskutierten Prinzipien der Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Kompatibilität flossen in die Formulierung des § 2 der BITV-NRW ein.

Informationstechnik und BITV
BITV des Bundes

In § 1 der BITV des Bundes wird als sachlicher Geltungsbereich angegeben, dass die Verordnung für folgende Bereiche der Bundesverwaltungsbehörden gilt:

  1. Internetauftritte und -angebote,
  2. Intranetauftritte und -angebote, die öffentlich zugänglich sind, und
  3. mittels Informationstechnik realisierte graphische Programmoberflächen, die öffentlich zugänglich sind.
BITV des Landes NRW

Während der Bund in der Begründung seiner Rechtsverordnung die Anwendungen auf das rein intern genutzte, nicht öffentlich gemachte Intranet ausdrücklich ausschloss und für Zugangsfragen in diesem Zusammenhang auf die einschlägigen Gesetze des Bundes zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben verweist, geht die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen einen Schritt weiter und bezieht auch Intranetangebote mit ein.

In § 1 der BITV-NRW wird als Geltungsbereich angegeben:

Diese Verordnung gilt für Internet- und Intranetangebote der in § 1 Absatz 2 BGG NRW Genannten sowie die von Ihnen zur Verfügung gestellten Programmoberflächen im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung, einschließlich öffentlich zugänglichen Informationsterminals und Datenträgern (CD und DVD).

Geltungsbereich der BGG NRW

In § 1 Absatz 2 des BGG NRW ist aufgeführt:

(2) Dieses Gesetz gilt für die Dienststellen und Einrichtungen des Landes, Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstige, der Aufsicht des Landes unterstehenden Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, für die Eigenbetriebe und Krankenhäuser des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände, für die Hochschulen, den Landesrechnungshof, die Landesbeauftragte und den Landesbeauftragten für den Datenschutz, den Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen, sonstige Landesbetriebe im Sinne des § 14a Landesorganisationsgesetz und für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Für den Landtag und für die Gerichte sowie für die Behörden der Staatsanwaltschaften gilt dieses Gesetz, soweit sie Verwaltungsaufgaben wahrnehmen. Die in den Sätzen 1 und 2 Genannten sind verpflichtet, aktiv auf das Erreichen des Zieles hinzuwirken. Sie sollen hierzu eng mit den Organisationen und Verbänden der Menschen mit Behinderung zusammenarbeiten. Soweit Dritte Aufgaben wahrnehmen oder Angebote bereitstellen, die auch im erheblichen Interesse der in den Sätzen 1 und 2 Genannten liegen, sollen diese darauf hinwirken, dass die Dritten die Anforderungen des § 4 erfüllen.

Barrierefreiheit im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)

§ 4 Barrierefreiheit

In § 4 des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes ist Barrierefreiheit definiert als:

Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.

In § 4 des Landesbehindertengleichstellungsgesetzes ist Barrierefreiheit etwas ausführlicher definiert als:

Barrierefreiheit ist die Auffindbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der gestalteten Lebensbereiche für alle Menschen. Der Zugang und die Nutzung müssen für Menschen mit Behinderung in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe möglich sein; hierbei ist die Nutzung persönlicher Hilfsmittel zulässig. Zu den gestalteten Lebensbereichen gehören insbesondere bauliche und sonstige Anlagen, die Verkehrsinfrastruktur, Beförderungsmittel im Personennahverkehr, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen sowie Kommunikationseinrichtungen.

Damit Lebensbereiche für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind, müssen die im BGG genannten Bereiche so gestaltet werden, dass sie von Menschen mit Behinderungen entweder direkt ohne weitere Hilfsmittel genutzt werden können, oder diese Bereich müssen so gestaltet sein, dass sie möglichst mit individuell angepassten Hilfsmitteln zusammen arbeiten können.

Mit der Erklärung von Barrierefreiheit im BGG tauchen weitere Begriffe auf, die nicht auf Anhieb verständlich erscheinen und im Folgenden kurz erläutert werden.

Systeme der Informationsverarbeitung

Teilweise werden die Begriffe "Informationsverarbeitung", "Datenverarbeitung" und "Informationstechnik" als austauschbare Begriffe bedeutungsgleich verwendet.
Unter dem Oberbegriff "Informationstechnik" werden im allgemeinen sowohl die zur Informations- und Datenverarbeitung benötigte Hardware als auch die benötigte Software verstanden. "Informations- und Datenverarbeitung" bezieht sich eher auf Programme und Prozesse, die bei Erfassung, Bearbeitung oder Darstellung von Daten mittels Computern verwendet werden.

Systeme der Informationsverarbeitung können zum Beispiel Programmoberflächen oder Internetseiten sein.

Akustische und visuelle Informationsquellen

Im Informationszeitalter ist das Internet zumindest eine wichtige Informationsquelle. Eine andere "visuelle Informationsquelle" sind gedruckte Informationen: Bücher, Broschüren, Handzettel. Aber auch Schilder und Beschilderungen stellen "visuelle Informationsquellen" dar.

Kommunikationseinrichtungen

Der Begriff "Kommunikationseinrichtungen" ist ähnlich weit gefasst und schwerfällig wie der Ausdruck "Systeme der Informationsverarbeitung". Schon beim Versuch den Begriff "Kommunikation" zu erklären ergeben sich Probleme. Im Alltagsverständnis ist mit "Kommunikation" im Allgemeinen der verbale Austausch zwischen 2 oder mehreren Menschen gemeint. Der Austausch kann jedoch auch schriftsprachlich oder nonverbal erfolgen und muss sich je nach philosophischer Sichtweise nicht unbedingt auf Menschen oder Lebewesen beschränken: wir kommunizieren auch mit unserer Umwelt.
Ein Telefon ist ebenso eine "Kommunikationseinrichtung" wie die reale Anlaufstelle auf einem Amt.

Im Übereinkommen der Rechte behinderter Menschen der UN wird Kommunikation definiert als:

"Kommunikation" umfasst Sprachen, Textdarstellung, Brailleschrift, taktile Kommunikation, Großdruck, barrierefreies Multimedia sowie schriftliche, auditive, in einfache Sprache übersetzte, durch Vorleser zugänglich gemachte sowie ergänzende und alternative Formen, Mittel und Formate der Kommunikation, einschließlich barrierefreier Informations- und Kommunikationstechnologie.

Barrierefreiheit im "Übereinkommen der Rechte behinderter Menschen" der Vereinten Nationen

1. Um behinderten Menschen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilnahme an allen Aspekten des Lebens zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen, um für behinderte Menschen den gleichberechtigten Zugang zur physischen Umgebung, Transportmitteln, Information und Kommunikation, einschließlich Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die für die Öffentlichkeit in städtischen und ländlichen Gebieten zugänglich sind oder bereitgestellt werden, zu gewährleisten. Diese Maßnahmen, die die Feststellung und Beseitigung von Zugangshindernissen und -barrieren einschließen, gelten unter anderem für

  • a) Gebäude, Straßen, Transportmittel sowie andere Innen- und Außeneinrichtungen, einschließlich Schulen, Wohnhäuser, medizinische Einrichtungen und Arbeitsstätten;
  • b) Informations-, Kommunikations- und andere Dienste, einschließlich elektronischer Dienste und Notdienste.

2. Die Vertragsstaaten treffen außerdem geeignete Maßnahmen,

  • a) um Mindeststandards und Leitlinien für den barrierefreien Zugang zu für die Öffentlichkeit zugänglichen oder bereitgestellten Einrichtungen und Diensten auszuarbeiten, zu erlassen und ihre Umsetzungen zu überwachen.
  • b) um sicherzustellen, dass private Rechtsträger, die für die Öffentlichkeit zugängliche oder bereitgestellte Einrichtungen und Dienste anbieten, alle Aspekte des barrierefreien Zugangs für behinderte Menschen berücksichtigen;
  • c) um Interessenträgern Fortbildungsangebote zu Fragen des barrierefreien Zugangs für behinderte Menschen zur Verfügung zu stellen;
  • d) um in öffentlich zugänglichen Gebäuden und anderen Einrichtungen Beschilderungen in Brailleschrift und in leicht lesbarer und verständlicher Form anzubringen;
  • e) um menschliche und tierische Helfer sowie Vermittler, einschließlich Führer, Vorleser und professionelle Gebärdensprachdolmetscher, zur Verfügung zu stellen, um den barrierefreien Zugang zu öffentlich zugänglichen Gebäuden und anderen Einrichtungen zu erleichtern;
  • f) um andere geeignete Formen der Hilfe und Unterstützung für behinderte Menschen zu fördern, damit ihr Zugang zu Informationen gewährleistet wird;
  • g) um den Zugang behinderter Menschen zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, einschließlich des Internets, zu fördern;
  • h) um die Gestaltung, Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von barrierefreien Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen in einem frühen Stadium zu fördern, damit diese mit möglichst geringem Kostenaufwand zugänglich werden.

Informationstechnik im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)

Gleichstellungsgesetz des Bundes: BGG § 11 Informationstechnik

(1) Träger öffentlicher Gewalt im Sinne des § 7 Absatz 1 Satz 1 gestalten ihre Internetauftritte und -angebote sowie die von ihnen zur Verfügung gestellten grafischen Programmoberflächen, die mit Mitteln der Informationstechnik dargestellt werden, nach Maßgabe der nach Satz 2 zu erlassenden Verordnung schrittweise technisch so, dass sie von behinderten Menschen grundsätzlich uneingeschränkt genutzt werden können. Das Bundesministerium des Innern bestimmt im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung durch Rechtsverordnung, die nicht der Zustimmung des Bundesrates bedarf, nach Maßgabe der technischen, finanziellen und verwaltungsorganisatorischen Möglichkeiten

  • 1. die in den Geltungsbereich der Verordnung einzubeziehenden Gruppen behinderter Menschen,
  • 2. die anzuwendenden technischen Standards sowie den Zeitpunkt ihrer verbindlichen Anwendung,
  • 3. die zu gestaltenden Bereiche und Arten amtlicher Informationen.

(2) Die Bundesregierung wirkt darauf hin, dass auch gewerbsmäßige Anbieter von Internetseiten sowie von grafischen Programmoberflächen, die mit Mitteln der Informationstechnik dargestellt werden, durch Zielvereinbarungen nach § 5 ihre Produkte entsprechend den technischen Standards nach Absatz 1 gestalten.

Gleichstellungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen: BGG NRW § 10 Barrierefreie Informationstechnik

(1) Die in § 1 Abs. 2 Sätze 1 und 2 genannten Träger öffentlicher Belange gestalten ihre Online-Auftritte und -Angebote sowie die von ihnen zur Verfügung gestellten Programmoberflächen im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung schrittweise technisch so, dass sie von Menschen mit Behinderung genutzt werden können.

(2) Das für die Behindertenpolitik federführende Ministerium wird ermächtigt, im Einvernehmen mit den übrigen Ressorts durch Rechtsverordnung nähere Regelungen über die barrierefreie Gestaltung der Informationstechnik im Sinne des Absatzes 1 und die dabei anzuwendenden Standards zu treffen.

Letzte Aktualisierung am 30.10.15